Der Börsenverein des Deutschen Buchhandels hat kürzlich Zahlen vorgelegt, die aufhorchen lassen: Die Lesekompetenz von Kindern und Jugendlichen in Deutschland geht zurück. Solche Berichte lösen schnell Debatten aus – über Schule, Bildschirmzeit, Bildungspolitik. Wir wollen hier keine dieser Debatten führen, sondern aus einer anderen Perspektive schauen: der einer inhabergeführten Buchhandlung mit Literaturcafé und Veranstaltungen mitten in St. Arnual.
Denn Lesekompetenz entsteht nicht nur im Unterricht. Sie entsteht auch dort, wo Kinder Bücher in die Hand nehmen dürfen, bevor sie eine Note dafür bekommen – zwischen den Regalen, beim Stöbern, beim Vorlesen auf dem Schoß. Ein Ort, an dem ein Kinderbuch keine Pflichtlektüre ist, sondern etwas, das man sich selbst aussuchen darf, macht aus Lesen etwas anderes als eine schulische Anforderung.
Genau das ist die Aufgabe, die wir als Buchhandlung mit angeschlossenem Literaturcafé für uns sehen: einen Raum bereitzuhalten, in dem Familien mit ihren Kindern Zeit verbringen können, ohne dass sofort etwas gekauft werden muss. Ein Nachmittag, an dem die Eltern einen Kaffee trinken, während die Kinder ein Bilderbuch durchblättern, trägt zur Lesefreude bei – auch wenn er sich nicht in einer Statistik niederschlägt.
Wir kuratieren unser Kinder- und Jugendbuchsortiment bewusst mit Blick auf unterschiedliche Alter und Interessen, und wir laden immer wieder zu Formaten ein, die sich an Familien richten. Das ist kein Ersatz für schulische Leseförderung und will es auch nicht sein. Aber es ist ein Baustein, den ein Ort wie unserer beitragen kann: Lesen als etwas zeigen, das Freude macht, bevor es eine Aufgabe wird.
Die Zahlen des Börsenvereins sind ein Anlass zum Nachdenken, kein Grund zur Resignation. Wenn Kinder früh erleben, dass ein Buchladen ein Ort ist, an dem man gerne Zeit verbringt, ist das ein kleiner, aber realer Beitrag – einer, für den es weder Schulpflicht noch Notendruck braucht.